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Donnerstag, 21. Juni 2012

"Sie war schon immer anders als alle anderen Kinder in ihrem Alter!", sagt meine Mutter und guckt die Sozialarbeiterin, die gegenüber von mir sitzt, an. Sie reden so, als wäre ich gar nicht im Raum und ich starre währenddessen auf die Tischdecke, fahre das Muster nach. Die Worte hallen in meinem Kopf. Ich bin anders. Ich bin anders. Ich bin anders. Ich betrachte mir den Block der auf dem Tisch liegt. Mittlerweile hat die Sozialarbeitern mein Leben auf vier Seiten dieses Blocks geschrieben und doch steht dort nichts. Fakten sind eben nicht alles, denke ich mir, und in diesem Moment schreibt Sie in klitzekleinen Buchstaben das Wort 'Depressionen?' auf den Block. Ich schlucke und gucke auf, mitten in die großen grünen Augen, der mir doch eigentlich so fremden Frau. Sie lächelt kurz. "Ich denke, dass eine Therapie das beste wäre. Du weißt selbst nicht, was mit dir los ist und zusammen mit einem Profi musst du das nun herausfinden.", sagt sie. "Bist du bereit dafür?" Ich überlege kurz, nicke aber dann. "Ich bin bereit.", sage ich zögernd. Anscheinend bemerkt sie meine Unsicherheit und fragt: "Willst du, dass es dir wieder gut geht?" Ich merke, wie der Blick meiner Mutter auf mir ruht und ich traue mich nicht, irgendwas anderes zu sagen, also erkläre ich ihr, dass ich nichts mehr will als wieder glücklich zu sein. Ich weiß nicht ob es eine Lüge war. Das alles hier ist doch so viel leichter, als um mein Glück zu kämpfen, aber ich weiß, dass ich das nun muss. Wenn nicht für mich, dann für den Menschen den ich liebe, denke ich mir und muss lächeln. "Und sie, für sie wäre es vielleicht ganz gut, wenn sie zu einer Erziehungsberatung gehen würden.", sagt die Sozialarbeiterin zu meiner Mutter. Ich beobachte die Reaktion meiner Mutter, aber sie nickt nur langsam. "Geben sie es zu, sie wissen nicht, wie man mit ihrer Tochter umzugehen hat. Wie sie schon sagten, sie ist anders und sie müssen nun lernen, damit klar zukommen, denn so können sie nicht mehr lange mit ihr zusammen leben." Ich bin anders. Ich bin anders. Ich bin anders. 
Es ist vorbei. Es ist endgültig vorbei. Ich werde jetzt kämpfen. Und ich werde glücklich werden.

1 Kommentar:

  1. Anders zu sein als die "anderen" ist etwas, das man als Kompliment sehen sollte. Auch ich bin ziemlich anders als meine Altergenossen, aber genau das sehe ich als meine Stärke an.
    Du hast zwar viele negative Dinge in deinem Leben bis jetzt erlebt, aber du wirst daraus auch eine Menge gelernt haben. Wenn du jetzt wirklich mit einem Therapeuten zusammenarbeitst, wirst du sicher wieder glücklich.
    Es liegt jetzt wieder in deiner Hand, ob du positiv "anders" sein kannst!

    Viele Grüße,
    Pearl.

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