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Montag, 12. März 2012

Wir sitzen zu sechst in einem Zugabteil mit nur vier Sitzen, auf dem Weg in die Stadt. Der Junge, der viel zu eng neben mir sitzt, singt immer wieder „Schatzi, schenk mir ein Foto, schenk mir ein Foto von dir!“. Die anderen unterhalten sich über Temple Run, während S wild auf ihrem iPhone rumdrückt. Sie lachen laut. Schreien so laut, man könnte denken sie haben gerade ein Messer in den Rücken gerammt bekommen. Ein älterer Mann, der vor uns sitzt, steht auf, guckt uns böse an und wechselt in den anderen Wagon. Ich beobachte durch das Fenster eine Frau die uns genervt anguckt. Noch vor einer Woche habe ich mich über diese Art Jugendliche total aufgeregt und jetzt gehöre ich zu ihnen. Der Hass steigt in mir auf. Mir wird schlecht. Es wird plötzlich alles zu viel. Ich bekomme Panik. Ich merke wie sich ganz langsam meine Platzangst bemerkbar macht. Ich drücke dem Jungen neben mir meine Tasche in die Arme, stehe auf, quetsche mich aus meiner Jacke und lasse mich wieder in den Sitz fallen. Es ist alles viel zu eng. Ich hab das Gefühl, dass meine Beine mich nach unten ziehen. In ein großes schwarzes Loch werde ich gezogen. Ich versuche mich noch oben an der Kante festzuhalten, aber ich habe keine Chance.
Niemand bemerkt, wie schlecht es mir geht. Sie nennen mich unlustig und Spaßbremse. Ich habe mich angeblich verändert. Ich bin total scheiße geworden. Diese Worte hallen in meinem Kopf. Sie ziehen mich noch viel tiefer in das schwarze Loch. Es saugt mich förmlich auf und ich kann nicht entkommen.
Als wir dann in der Stadt ankommen, rennen alle erstmal zu McDoof und fressen sich voll. Ich bin die einzige die wiedermal nichts isst. Ich höre wie sie sich flüsternd über mich unterhalten. „Sie isst nie etwas!“ „Ich kenn sie nun zwei Jahre und habe sie noch nie essen gesehen.“ Es fällt auf, das weiß ich selbst, aber das ist mir egal. Sollen sie doch denken was sie wollen. Alles egal, ich bin egal, ihnen egal!
Ich wünsche mich weg, weit weg! Ich fühle mich völlig fehl am Platz. Ich gehöre hier nicht hin. Ich will hier nicht sein. Ich passe hier nicht hin. Ich bin nicht normal. Ich bin nicht wie die anderen. Ich passe nicht in das Idealbild der Menschheit rein. Sie sagen, sie würden mich kennen, aber dabei kenne ich mich selbst nichtmal. Diese Menschen die sich meine Freunde nennen, wissen reingarnichts über mich. Sie nennen mich dumm, wenn ich einfach über die Straße laufe, ohne zugucken und dabei beinah von der Straßenbahn überfahren werde. Ich bin nicht dumm, ich bin einfach unglaublich in den Tod verliebt. Ich nenne sie meine Freunde, während ich mir vorstelle wie ich sie alle fünf am qualvollsten umbringen könnte.
Das ist nicht meine Welt. Ich merk es jeden Tag.

1 Kommentar:

  1. Es ist nicht wichtig, sich dem "Idealbild" eines Jugendlichen anzupassen. Viel wichtiger ist es, sich selber in seiner Rolle wohl fühlen zu können! Wenn du dich mit diesen Menschen nicht wohl fühlst, wäre es vielleicht eine Möglichkeit sich nach völlig anderen Menschen umzugucken. Falls du in einer größeren Stadt wohnst, wird es sicherlich Menschen geben, die dich als Person und nicht nur als Mensch achten. Du musst es nur schaffen, diese Personen zu finden. Dazu gehört eine Menge Glück, viel Mut und Kraft, aber dies sind keine unüberwindbaren Hürden.

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