Ich laufe die menschenüberfüllte Straße herunter. Überall sind Kindern die zu ihren Bussen rennen. Der eisige Wind bläst mir meine Haare ins Gesicht und ich versuche sie immer wieder an ihren Platz zu bringen. Irgendwann geb ich es auf. An der Kreuzung angekommen, muss ich gezwungenermaßen anhalten. Da mich keiner der Autos oder Busse freiwillig über die Straße lassen, laufe ich einfach drauf los. Es wird gehupt und ich kann aus dem Augenwinkel sehen wie der Autofahrer mich beleidigt, aber das interessiert mich nicht. Endlich biege ich in meine Straße ein. Da es eine Einbahnstraße ist, ist so gut wie kein Mensch hier, worüber ich sehr froh bin. Die Musik die durch meine Kopfhörer in meinen Ohren erklingt, beruhigt mich ein wenig von dem stressigen Schultag. Ich kann das Haus, dass das letzte in der Straße ist und in dem ich wohne, schon sehen und langsam wird mir schlecht. Selbst da kann mich meine Musik nicht mehr auf andere Gedanken bringen. Am Haus angekommen, öffnet mir meine Nachbarin zufällig die Tür. Sie begrüßt mich und ich versuche sie anzulächeln, was mir aber misslingt. Sie guckt mich fragend an und läuft nach draußen. Ich seufze nur kurz und stürme die Treppen nach oben in den dritten Stock. An der Tür angekommen zögere ich kurz, drücke aber dann auf die Klingel. Meine Mutter öffnet ruckartig die Tür und ich gucke sie warscheinlich geschockt an, weil ich nicht damit gerechnet hätte dass sie so schnell an der Tür ist. Sie hat bestimmt gemerkt dass ich mich erschreckt hab, da sie etwas nuschelt, dass ich als "Ich stand gerade im Flur" bewerten würd. Ohne ein Wort trete ich ein und schleudere meine Tasche in die Ecke. In dem Moment als die Tasche auf den Boden schlägt merke ich erst was ich da gerade getan hab und drehe mich langsam zu meiner Mutter um. Ihre Augen formen sich zu kleinen Schlitzen, wie immer wenn sie kurz davor ist los zuschreien. "Weißt du eigentlich wieviel diese scheiß Tasche gekostet hat?", schreit sie mich an. Ich murmel ein leises "Tut mir leid", obwohl es mir alles andere als leid tut. Das hat meine Mutter wohl auch bemerkt. "Garnichts tut dir leid! Ich geb keine 150€ aus, dass du das Teil am Ende so behandelst!" Leider hat sie recht. Ohne sie anzugucken laufe ich in mein Zimmer und donner die Tür hinter mir zu. "Miststück!", schreit mir meine Mutter noch hinterher. Miststück. Miststück. Miststück. Sie hat so recht. Ich streife mich aus meinen Klamotten und lasse sie zu Boden fallen. Ich schlüpfe in meine Jogginghose und in den uralten, aber so sehr geliebten, xxl-Pullover. In diesen Kleidern fühl ich mich viel wohler! Ich setzte mich neben der Kleidung, die ich zuvor ausgezogen hatte, auf den Boden, falte sie wegen einem schlechten Gewissen zusammen und lege sie auf einen Stapel. Ich schätze kurz den Wert des Stapels der jetzt vor mir liegt und komme zu dem Entschluss dass ich meine Mutter hasse. Ich hasse es, dass sie mich mit materiellen Sachen kaufen möchte. Sind diese überteuerten Klamotten ihr Weg zuzeigen dass sie mich vielleicht doch ein kleines bisschen leiden kann oder will sie damit nur ihr schlechtes Gewissen loswerden dass sie mir gegenüber hat? Hat sie überhaupt ein schlechtes Gewissen oder ist ihr es scheiß egal was sie mir antut?
Mein Kopf sinkt langsam auf den Klamottenstapel und die erste Träne läuft. Ich bin nichtmal 30 Minuten zuhause und bin schon fertig mit den Nerven. Womit hab ich das verdient?
So, ich muss mich nocheinmal bedanken! Wow. Die Reaktionen auf den letzten Post waren echt krass. Ich hab soviele neue Leser dazu bekommen. Ich weiß garnicht was ich sagen soll. Danke; Danke; Danke; Danke! ♥

Mit deiner Familie hast du anscheinend kein wirklich Glück gehabt, aber man kann sie sich leider nicht aussuchen. Aber man kann seine Probleme vielleicht teilen, mit Menschen, denen man vollständig vertraut. Es wird immer Menschen geben, die sich für DICH interessieren, die wissen, das man einen Menschen nicht kaufen kann, die dir bei deinem persönlichen "Flowmarkt" helfen könnten :)
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