Gestern waren deine Eltern in der Schule. Sie sind immernoch ganz in schwarz gekleidet. Deine Mutter sah unglaublich traurig aus. Sie ähnelte einem Geist, denn es sah so aus als würde sie über den Schulhof schweben. Sie konnte nichtmal einen Fuß vor den anderen setzen. Dein Vater musste sie stützen, sonst wäre sie höchstwahrscheinlich einfach zusammengeklappt. Dieser Anblick hat mir das Herz zerrissen, auch wenn ich wusste wie sehr du sie gehasst hast. Es tat trotzdem weh sie so zusehen. Gestern war deine Zwillingsschwester auch das erste mal wieder in der Schule. Es war wie ein Schlag ins Gesicht als ich sie gesehen hab. Sie hat versucht mich anzulächeln, ist aber gescheitert. Ich bin es ebenfalls. Der Schmerz ist immernoch so groß. Über die Jahre habe ich gelernt euch zu unterscheiden und ich hatte damit nie Probleme, weil ihr sehr verschieden wart, aber gestern habe ich gemerkt wie gleich ihr doch eigentlich wart. Sie ähnelt dir sehr. Als ich ihr in die Augen gesehen hab, hab ich dich gesehen. Sie hat die selben rehbraunen Augen wie du. Ihre Haare haben genau die gleiche Farbe und Länge wie die deinen. Ihr seid gleich groß und wenn ich sie von hinten sehe, würde ich glauben, dass du vor mir stehst. Heute hab ich sie in der Schule weinen sehen. Ihr geht es so schlecht, aber das Leben muss weitergehen. Sie muss wieder in die Schule gehen und all diesen Schmerz ertragen. Du hast uns alle in einer unglaublichen Trauer zurück gelassen. Ich wünsche mir, dass du von dort oben zu uns runter sehen kannst und siehst wie sehr du allen doch fehlst. Ich wünsche mir so sehr, dass du siehst wie deine Mutter leidet. Ich wünsche mir, dass du deine Tat bereust. Ich wünsche mir, dass du einfach wieder zurückkommst und alles so wie früher ist.
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