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Sonntag, 6. November 2011



Beim Betreten der Eingangshalle stopfe ich schnell mein Handy und die Kopfhörer in meine Jackentasche. Ich schaue mich um. Schüler sitzen am Rand der Aula an Tischen und Stühlen und unterhalten sich, lachen, reden, schreien oder machen Hausaufgaben. Heute haben aber viele Klassen die erste Stunde frei, denke ich mir. Während ich so durch die Eingangshalle laufe, spüre ich wie alle Augen mich anstarren. Den Blicken der anderen weiche ich aber gekonnt aus und ignorier sie einfach. Das sind auch nur deine Mitschüler! Ganz Locker! Am liebsten würde ich mich in solchen Momenten in Luft auflösen. Ich hasse es wenn die ganze Aufmerksamkeit auf mich gerichtet ist. Ich gucke hoch auf die Empore und kann meine Klasse schon hören. Wir sind immer die lautesten von allen. Ich laufe so schnell wie nur möglich zur Treppe und gehe diese nach oben. Während ich hoch laufe, rufen schon viele meiner Klassenkameraden meinen Namen und kommen mir entgegengelaufen. Mir werden Chipstüten und Energydrinks ins Gesicht gehalten. Der wiederliche Gestank der Chips steigt mir sofort in die Nase. Mir wird schlecht und ich lehne dankend ab. Ich werde nie verstehen wie sie, noch vor der Schule und so früh am morgen, so ein Dreck in sich reinstopfen können. Ich begrüße alle, gratulier einem Jungen zum Geburtstag und stelle mich dann zu S, die sofort anfängt loszuplappern. Ich höre ihr nicht zu, zuviele Gedanken schwirren wiedermal in meinem Kopf. Keiner merkt wie schlecht es mir geht, nichtmal S! Sieht hier denn niemand mein gefaktes Lächeln?Sag mal, hörst du mir überhaupt zu?“, fragt S in einem lauten und genervten Ton und reißt mich damit aus den Gedanken. „Tut mir leid, erzähls mir nachher nochmal.“, antworte ich, drehe mich um und geh einfach. Spätestens da müsste sie doch verstanden haben dass irgendwas nicht stimmt? Die Schulklingel ertönt zur zweiten Stunde und alle erschrecken sich, da wir uns nach 2 Wochen immernoch nicht an den neuen Klingelton gewöhnt haben. Ich stelle mich vor den Klassensaal und warte auf den Mathelehrer. Kurz nachdem ich mich vor die Tür gestellt hab, kommen zwei Klassenkameradinnen zu mir. Sie gucken mich beide mit prüfenden Blicken an. Ich mustere sie. Die eine hat blonde Haare und grüne Augen, ist dünn und groß. Sie hat eine Figur wie ein Model, wofür ich sie unglaublich beneide, ein Gesicht wie ne Kreissäge und einen schrecklichen Charakter. Die andere ist klein, rundlich, hat von Natur aus rote Haare, Sommersprossen und eine komische eingedellte Unterlippe. Schön sind sie allemal nicht, aber immerhin hübscher als ich es bin. Plötzlich sagt das Mädchen mit den blonden Haaren: „Du guckst so traurig?!“ Die andere daraufhin: „Stimmt. Was ist los?“ Ich gucke sie warscheinlich total entgeistert an. Vor ein paar Minuten hab ich mir noch gewünscht dass irgendjemand merkt was in mir vorgeht, aber jetzt wo ich darauf angesprochen werde möchte ich es sofort runterspielen. „Nein, es ist nichts. Bin nur noch ein bisschen müde!“ Müde? Noch 'ne schlechtere Ausrede ist dir nicht eingefallen? Währenddessen ist unser Lehrer gekommen und hat die Tür aufgeschlossen. Da ich die erste bin die vor der Tür steht, bin ich auf die erste die ins Klassenzimmer stürmt. Meine beiden Klassenkameradinnen gucken mich blöd an, weil ich sie einfach stehen lasse und die eine ruft: „Oha, sprecht sie besser nicht an. Sie hat bestimmt ihre Tage!“ Es wird gelacht. Ich laufe genervt zu meinem Platz und schleudere meine Tasche auf den Tisch. Wenns nur das wäre, wäre ich echt glücklich und dankbar! 

1 Kommentar:

  1. Ein Mensch kann seine Probleme nicht alle alleine tragen. Der Versuch, dies zu tun, endet irgendwann meistens doch nur in einem totalen zusammenbruch, bei dem man sie dann doch jemanden erzählt, und zwar alle auf einmal. Es gibt anscheinend Menschen, die bemerken, wie es dir wirklich geht. Du bist also nicht grundsätzlich alleine, auch wenn du dich wahrscheinlich allzu häufig so fühlst. Ich hoffe, du findest Menschen, die dir zumindest ein bisschen weiterhelfen können, bevor du deinen unglaublichen Mut verlierst!

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