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Sonntag, 30. Oktober 2011

                        

Also, wir gehen jetzt!“, ruft meine Mutter und ich höre wie die Tür ins Schloss fällt. „Hoffentlich passiert irgendwas schlimmes unterwegs und ihr kommt niewieder!“, murmel ich leise. Ich lege meine Bettdecke zur Seite, stehe auf und mache erstmal eine Kontrollrunde durch die Wohnung. Angewohnheit! Es könnte ja irgendwo ein Mörder sitzen, der nur darauf wartet dass ich alleine bin. So, jetzt bist du alleine zuhause! Die ganze Nacht! Du schaffst das!, sagt die eine Stimme in meinem Kopf. Die andere lacht mich nur aus. Haha, du bist 15 Jahre alt und hast immernoch Angst alleine zuhause zu bleiben! Ich gebe wiedermal der zweiten Stimme recht und laufe ins Bad. Ich drehe den Wasserhahn auf, lasse Wasser in meine Handflächen laufen und schleuder es mir ins Gesicht. Ich gucke nach oben in den Spiegel und kann zugucken wie langsam die gesamte Wimperntusche mein Gesicht runterläuft. Ich gucke mir in die Augen. „Reiß dich mal zusammen! Du bist mittlerweile alt genug um alleine zuhause zubleiben!“, sage ich meinem Spiegelbild. Nachdem ich mich in jedem Raum vergewissert habe dass ich auch wirklich allein bin, lasse ich im Flur das Licht brennen, weil das mir Sicherheit gibt, und gehe wieder zurück ins Zimmer. Ich setze mich auf die Fensterbank, höre Musik und schaue in den Himmel. In der Ferne kann ich ein kleines Feuerwerk erkennen, dem ich eine Zeit lang zugucke. Was diese Menschen wohl gerade zu feiern haben? Sie haben Spaß am Leben! Und ich? Ich sitze hier auf meiner Fensterbank und habe nichts! Ich seufze, gucke in den Himmel und genau in diesem Moment fliegt eine Sternschnuppe an mir vorbei. Ich wünsche mir natürlich etwas, auch wenn ich weiß dass es niemals in Erfüllung gehen wird. Ich komm mir vor wie in einem schlechten Liebesfilm. Feuerwerk! Sternschnuppe! Nur er fehlt. Er an meiner Seite. Er neben mir auf der Fensterbank. Er, wie er den Arm um mich legt und wie wir zusammen den Sternenhimmel betrachten. Es wäre perfekt gewesen, aber Perfektion gibt es nunmal nicht. In solchen Momenten wünsche ich mir dass das mit C einfach alles viel leichter und schöner verlaufen wäre. Ich weiß nicht wie lange ich, mit einer Decke umschlungen, auf der Fensterbank saß, aber irgendwann schrieb ich C eine sms das es mir leid tut dass ich ihm gestern nicht mehr geantwortet hab. Ich bin so blöd. Ich hab mir versprochen mich nicht zu entschuldigen und jetzt hab ich es doch getan. Er hat mir natürlich nicht geantwortet. Ich lausche weiter meiner Musik und irgendwann höre ich wie der Schlüssel im Schloss herumgedreht wird und die Tür sich öffnet. Sie sind wieder da. Ich gucke auf mein Handy. 1:32 Uhr. Ich saß mehr als 5 Stunden auf der Fensterbank, in der Kälte! Ich steh auf, schließe das Fenster und lege mich ins Bett. Ich starre an die Decke und muss kurz lächeln. Ich hab es geschafft. Ich war die ganze Nacht alleine zuhause ohne auszurasten! Keine Panikattacke! Das allererste mal in meinem Leben! Ist das ein gutes Zeichen? Mit ein klein wenig Stolz auf mich selbst, schließe ich die Augen und schlafe ein. 

 

 

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